Der Wohnsitz des Ausstellerstaates im Führerschein ist kein unerschütterlicher Beweis dafür, dass zum Zeitpunkt des Führerscheinerwerbs auch tatsächlich ein ordentlicher Wohnsitz vorgelegen hat.

Ergeben sich berechtigte Zweifel am Wohnsitz, ist die Angabe des Wohnsitzes des Ausstellerstaats im Führerschein kein Aspekt, der vom Aufnahmemitgliedstaat ohne Nachprüfung hingenommen werden muss.
Vor allem bei der Abmeldung des Wohnsitzes im Ausstellerstaat vor Ausstellung der Fahrerlaubnis ist der Wohnsitzverstoß anzunehmen.

Ein ordentlicher Wohnsitz ist gegeben,

– bei persönlichen / beruflichen Bindungen zum Wohnsitz
– 185 Tage gewöhnlicher Aufenthalt im Ausstellerstaat

Bei der berechtigten Annahme eines Scheinwohnsitzes, besteht ein Auskunftsrecht der deutschen Behörden gegenüber dem Ausstellerstaat.

Dieses Auskunftsrecht geht mit Auskunftspflicht des Ausstellerstaateseinher.
Gibt es widersprüchliche Informationen aus dem Ausstellerstaat, ergibt sich für die deutsche Behörde ein Hinweis auf einen Scheinwohnsitz.
In diesen Fällen dürfen für weitere Ermittlungen auch Informationen aus dem Inland dürfen zugrunde gelegt werden.
Die Beurteilung und Prüfung, ob die Informationen aus dem Ausstellerstaat als widersprüchliche Informationen zu werten sind, ist Sache des Aufnahmestaates.

Der Aufnahmestaat darf einen Scheinwohnsitz annehmen, wenn entsprechende Informationen aus Ausstellerstaat vorliegen.

Dieser muss noch nicht endgültig bewiesen sein, aber dadurch wird dem Aufnahmestaat das Recht zu weiteren Ermittlungen gegeben. Der Fahrerlaubnisinhaber kann sich durch entsprechende Nachweise bzw. durch einen schlüssigen Vortrag zum Erwerb seiner Fahrerlaubnis entlasten und den Gegenbeweis gegen einen Scheinwohnsitz führen.

Im maßgeblichen Fall wurde die CZ-Meldebestätigung dem Betroffenen zum Verhängnis. Die Abmeldung des tschechischen Wohnsitzes erfolgte einige Tage vor der Fahrerlaubniserteilung in Tschechien. 
Diese Bestätigung hatte er der Fahrerlaubnisbehörde seines deutschen Wohnsitzes vorgelegt. Damit war der Annahme des Scheinwohnsitzes sowie weiteren Ermittlungen zum Wohnsitz in Tschechien Tür und Tor geöffnet. Die Umschreibung der tschechischen Fahrerlaubnis in eine deutsche Fahrerlaubnis wurde abgelehnt.